Das Leben ist schwarz-weiß. Doch weiß ist nicht immer gleichbedeutend mit gut und schwarz nicht immer mit schlecht.
In diesem Blog möchte ich von einem schweren Schicksalsschlag erzählen damit wir diesen geliebten Menschen niemals vergessen.
Es ist bereits ein Jahr vergangen, doch noch immer sind die Spuren nicht verwischt. Wenn man durch das Haus läuft erinnert einfach alles an ihn. Im Wohnzimmer hängen noch immer die riesigen Fotos von ihm und Mutter zündet täglich eine Kerze für ihn an.
Vielleicht sollte ich den Lesern da draußen erstmal erzählen was passiert ist:
Wir hatten alles. Wir hatten ein neues Haus gekauft und der Freund meiner Mutter hatte gerade das Sorgerecht für seinen Sohn erkämpft und ich hatte einen kleinen Bruder gewonnen. Ich hatte mir schon immer Geschwister gewünscht und ich verstand mich gut mit dem Kleinen.
Aber die eigentliche
Geschichte beginnt im Bett, friedlich schlafend. Und hätte ich gewusst, dass
dies die letzte ruhige Nacht sein sollte, hätte ich sie wahrlich mehr genossen.
Meine Mutter und ihr Freund waren am Vorabend zu einem Polterabend eingeladen
gewesen. Irgendwann klingelte es Sturm an der Tür und ich sah
verschlafen auf meinen Wecker. Es war erst 1 Uhr morgens! Ich stapfte zum Fenster um einen Blick hinaus zu
werfen. Seit der Freund meiner Mutter, nämlich das Sorgerecht
für seinen Sohn erkämpft hatte, plagte uns seine Ex-Frau Tag um Tag
und meine Mutter war ziemlich ängstlich. Diese Frau rief uns alkoholisiert jede
Nacht an, weshalb wir das Telefon aussteckten, doch bald ging sie zu kurzen
Besuchen über. Naja, jedenfalls konnte ich nichts erkennen und machte folglich auch nicht die Tür auf. Gerade als ich mich wieder ins Bett gelegt hatte
hörte ich jemanden reden, erschrocken lauschte ich der Stimme. Sie gehörte zu
einem mittel alten Mann, welchen ich schon einmal gehört hatte, doch ich konnte
mich nicht mehr erinnern. Er unterhielt sich mit jemandem, aber mit wem? Mutti
und ihr Freund waren noch immer nicht nachhause gekommen und sonst waren ja nur ich
und mein neuer kleiner Bruder da. Wie zum Geier waren sie rein gekommen? Naja diese Frage sollte mir niemals beantwortet werden. Jedenfalls schlich ich an meine Zimmertür. Mein Herz raste und
ich schnappte nach Luft, redete mir ein leise zu sein und hielt die Luft an. Dann hörte ich stumpfe Schritte die
Treppe hoch kommen. Panisch überlegte ich was ich tun sollte und kam zu dem
Entschluss, dass ich mich verhört haben musste und sich vorhin nur meine Mutter
und ihr Freund unterhalten hatten, welche nach Hause gekommen waren. Zaghaft öffnete
ich einen kleinen Spalt meiner Zimmertür und sah durch die kleine Öffnung zur
Treppe, welche direkt neben meinem Zimmer hoch ging. Sie trugen meine Mutter die Treppe hoch. Entsetzt riss ich die Tür auf, sagte jedoch kein
Wort. Ich schätze ich stand eine ganze Weile mit offenem Mund da und
beobachtete das Geschehen. Ich will mir mein Gesicht gar nicht vorstellen!! Quasie im Vorbeigehen wurde mir gesagt dass meine Mutter auf dem Polterabend ein wenig zu viel getrunken hatte und es ihr morgen sicher wieder besser geht, dann waren sie weg. Im Kopf zählte ich die Sekunden und als ich endlich
ihr Auto weg fahren hörte, rannte ich die Treppe runter und verschloss alle
Türen und Fenster. Vielleicht bin ich ja doch paranoid? Gerade als ich wieder ins Bett kriechen wollte hörte ich ein RUMS im Bad, Mutter war hingefallen. Ich schickte sie wieder ins Bett doch sie jammerte die ganze Zeit dass ihr Freund noch nicht da ist. Mir war das zuvor gar nicht aufgefallen, ich hatte gedacht er war dabei gewesen. Meine Mutter sagte mir immer wieder wie lieb sie mich hatte und irgendwann nervte es mich ehrlich gesagt. Ich hatte sie noch nie betrunken erlebt und wusste
nicht was ich machen sollte. Ungefair da wurde mir klar, dass das eine ziemlich schlaflose Nacht werden würde. Ich überlegte fieberhaft wo Muttis Freund blieb. Irgendwann
würde der Polterabend doch auch mal vorbei sein. Außer er schlief dort, da ihn
keiner fahren konnte. Oh Alkohol!... *seufz* Ich rief ihn an, doch es ging keiner ran. Aber so schnell gab ich nicht auf und ich versuchte es 5 Minuten später erneut. Diesmal war das Handy aus. Ich brachte meine Mutter wieder in Bett, wo sie diesmal auch blieb und legte mich selbst noch eine Stunde aufs Ohr, doch 6 Uhr klingelte leider mein doofer Wecker. Schule! Dümmste Erfindung überhaupt! Ich weckte also meinen kleinen Bruder und schlich mit ihm aus dem Haus um Mutter nicht zu wecken. Sie konnte den Schlaf brauchen. Dennoch wusste ich nicht ob ich sie in diesem Zustand allein lassen konnte, Schule konnte ich schließlich nicht schwänzen. Ich rief bei Oma und Opa an, doch bei denen ging keiner ran, also rief ich meine beste Freundin an und bat sie um Rat. Vielen Dank an dieser Stelle. Ich wüsste nicht was ich ohne meine drei Besten machen würde. In der Schule jedenfalls war an diesem Tag nicht viel los. Die Hälfte
der Klasse war nicht da und auf den Unterricht konzentrieren konnte ich mich
auch nicht. Ich war neu in der Klasse und hatte mich noch nicht mit vielen
Angefreundet, weshalb ich niemanden hatte der mich hätte ablenken können. So
saß ich also da und beobachtete den Sekundenzeiger der Uhr über der Tafel. In der Pause kam unsere Klassenlehrerin ins Zimmer und einige meiner Mitschüler fragten sie warum an diesem Tag so viele fehlten. Sie erzählte dass es nur diejenigen betreffe welche mit dem Zug in die Schule fahren und dass es ein Zugunglück gab, weshalb keine Züge mehr auf dieser Strecke fahren. Naja, ihr könnt euch sicherlich denken was mir in diesem Moment durch den Kopf ging oder? Nach der Schule wurde mir dies dann noch bestätigt. Das war nämlich leider noch nicht alles.
--- paar Stunden Erholung vom Schreiben ---
--- paar Stunden Erholung vom Schreiben ---
Jap das Leben ist nicht einfach... Hab ich schon erwähnt dass das oben gezeigte Bild der Ort ist an dem er starb? Und nebenbei erwähnt ist das auch die Aussicht von meinem Zimmerfenster aus. Jeden Tag an schreckliche Bilder erinnert werden, wie er von genau dort mit einem Sarg abtransportiert wurde. Aber das ist nicht mal das Schlimmste! Nein, das Schlimmste ist, dass meine Mutter scheinbar den Verstand verloren hat. Gut okay, das ist vielleicht etwas heftig formuliert... Aber sie hat doch Tatsächlich eine Wahrsagerin angeheuert damit sie mit Verstorbenen reden kann. Und das ein Jahr später! Nur mal zur Info, meine Mutter hat nie an sowas geglaubt. Ich bin der Meinung, dass diese Menschen uns einfach das Geld aus den Taschen ziehen wollen, wie seht ihr das? Und dann dieses ganze falsche Mitleid in der Schule, von Menschen die ihn nicht mal kannten, mich noch nicht kannten. Ich bin so dankbar, dass meine Cousine extra 600km gefahren ist um bei mir zu sein. Ich hab sie wirklich gebraucht, mir wäre sonst die Decke auf den Kopf gefallen. Meine Mutter konnte uns da nämlich nicht helfen. Sie hat ja selbst nichts mehr gegessen und nur noch vor sich hin vegetiert. Jenden Tag hatte ich die Angst in den Knochen dass sie ihm folgen wird. Tagelang saß sie an den Gleisen und hat geweint und ich konnte sie vom Fenster aus sehen. Diese Zeit war so Finster! Und wer hat immer auf den Kleinen aufgepasst? Wer hat sie getröstet? Wer war immer für sie da, hat gekocht und den halben Haushalt geschmissen? ICH! Mit Freunden ausgehen war da nicht mehr. Ich kam mir vor wie in diesen Sendungen auf Viva "Sixteen and pregnant". Ich hatte nicht nur den Kleinen zu bemuttern, sondern auch meine eigene Mutter. Und hab ich ein Danke bekommen? Nein. Aber das ist schon okay, ich weiß nicht wie ich drauf wäre wenn meine große Liebe sterben würde. Wäre ich auch so ein Wrack gewesen? Ich will es nie herausfinden!
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